Landler aus Neustadtl

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Alter Landler aus Neustadtl im Ybbsfeld

Einleitung

Neustadtl liegt in jenem über die Donau reichenden Granitland, das der Region den Namen gab, in der Neustadtler Platte. Diese wird im Norden vom Strudengau, im Süden vom Ybbsfeld begrenzt und reicht von Ardagger im Westen bis nach Ybbs im Osten. Es ist interessant zu erwähnen, dass eigentlich alle unter dem Namen "Ybbsfelder Typus" veröffentlichten Landler, wie auch der hier vorgestellte, in diesem Granithügelland aufgezeichnet wurden.

Der Landler kann eindeutig dem Ybbsfelder Typus zugeordnet werden.

Abgesehen von Einleitung und Kadenz gibt es auch hier 3 Figuren zu je 8 Takten und anschließend das sogenannte Landlerdrahn, das 5 mal 5 Takte in Anspruch nimmt, während die Musik 3 mal 8 Takte spielt. Daher benötigt man noch einen Takt der anschließenden Kadenz, welche aus 7 Takten besteht. Ein Durchspiel (6 mal 8 Takte plus der Kadenz) wurde bis zu 6 mal wiederholt. Den Abschluss bildet ein aus 32 Takten bestehender Walzer in normaler Tanzhaltung (offene Rundtanzhaltung), der früher immer links getanzt wurde.

Spielweise: Einleitung - |: A - B - C - C - D - D - Kadenz :| - Walzer

Schritte

Landlerschritt (ein eher zum Wechselschritt tendierender Dreitritt, da der 2.Schritt nur angedeutet wird): Tänzerinnen während des ganzen Tanzes; die Tänzer, wenn kein anderer Hinweis Nachführschritt der Tänzer: Eine Folge von Nachführschritten kann nur abwechselnd links und rechts ausgeführt werden. Auf das 1.Viertel eines jeden Taktes erfolgt ein Gehschritt, im 2.und 3.Viertel wird das unbelastete Bein am Standbein vorbei geführt, oft auch ohne Belastung kurz beigestellt.

Stampfschritt der Tänzer: am Ende der Einleitung und im 1.Teil

Seitstellschritt: beim Armschwingen im 3.Teil, gegengleich

Fassung

Während der Einleitung und des 1.Teils sind die Tänzerinnen bei ihrem Tanzpartner eingehängt. Während des 2.Teils gehen sie ohne Fassung nebenher. Am Beginn des 3.Teils: Zweihandfassung in Hüfthöhe. Ansonsten sind seine rechte und ihre linke Hand gefasst, den freien Arm lassen die Tänzer hängen außer beim Dirndldrahn, wo sie den Arm eher abgewinkelt bereit halten, um der Tänzerin bei Bedarf nachzuhelfen, insbesondere auch um ihre Drehung, wenn nötig, an ihrem linken Oberarm abzustoppen. Die Tänzerinnen legen ihre freie Rechte auf den Rücken (zwischen Mitte und rechte Hüfte).

Aufstellung

Die Paare promenieren ohne Musik im Flankenkreis, Tänzerin außen mit Blick in Tanzrichtung und eingehängt.

Früher war es auch üblich, die Musik durch Stampfen zum Spielen aufzufordern. Einer der Tänzer begann mit einem Strampfwirbel, worauf alle allmählich in ein stampfendes Gehen (Stampfschritt auf dem 1.Taktteil) verfielen; je ungeduldiger die Tänzer wurden, desto lauter wurde das Stampfen. Während des Landlerdrahns wurde der Kreis nicht unbedingt eingehalten, sondern der Raum des Tanzsaals ausgenützt, um sich während der Kadenz wieder einzuordnen.

Abfolge der Figuren

  • 5 Takte: Einleitung
  • 8 Takte: Dirndl drahn und Stampfen der Tänzer
  • 8 Takte: Dirndl drahn und Paschen der Tänzer
  • 8 Takte: Großes Übergangl zum Drahn (Zwischenfigur)
  • 5 mal 5 Takte: Landlerdrahn bis zum 1.Takt der Kadenz
  • 6 Takte: Übergangl zum nächsten Durchspiel (Rest der Kadenz)

Die Figuren im Einzelnen

Eingang: 5 Takte

Die Paare promenieren eingehängt in Tanzrichtung mit ruhigen Gehschritten. Sobald die Musik einsetzt, machen die Tänzer Nachführschritte (links beginnend), die Tänzerinnen Landlerschritte (rechts beginnend).

Zuletzt stampfen die Tänzer im Achtelrhythmus: 3 kurze Stampfer am Ende von Takt 4 plus einem gestampften Schritt am Beginn von Takt 5, d.h. links-rechts-links-rechts, wobei beim letzten Stampfer das Gewicht am rechten Bein bleibt. In der Praxis ist diese Schrittfolge das Zeichen zum Beginn und wird oft nur von einem oder einigen Tänzern ausgeführt. Den letzten Stampfer auf Takt 5 machen alle.

Der letzte Taktteil von Takt 5 ist bereits der Auftakt zur 1.Figur, der gleich zum Dirndldrahn verwendet wird, einmal nach rechts (im Uhrzeigersinn) mit seiner Rechten und ihrer Linken.

Hinweis: Dieser vorverlegte Beginn gilt für alle Figuren, die mit einem Dirndldreher beginnen.

1.Teil - Stampfen: 8 Takte

Tänzerin fertig ausdrehen mit seiner Rechten und ihrer Linken (Auftakt plus Takt 1). Nach dem Drehen senkt der Tänzer den Arm, ohne die Handfassung zu lösen und führt den Arm seiner Tänzerin unter seinen Unterarm, sodass sie bei ihm eingehängt ist.

Auf das 1.Viertel eines jeden Taktes stampft der Tänzer mit dem ausschreitenden linken Fuß und stellt den rechten im 3.Viertel ruhig bei. Nach Beendigung der Drehung bewegt sich die Tänzerin an der rechten Seite ihres Tänzers mit Landlerschritten vorwärts (2.Takt links beginnend).

2.Teil - Paschen: 8 Takte

Auftakt plus Takt 1: Der Tänzer fasst mit seiner Rechten die Linke der Tänzerin und dreht diese einmal nach rechts (im Uhrzeigersinn) aus und löst dann die Fassung. Ab dem 2.Viertel in Takt 2 paschen die Tänzer auf jedem Taktteil und gehen mit gewöhnlichen Schritten (pro Takt einen) in Tanzrichtung. Die Tänzerinnen gehen ohne Fassung mit Landlerschritten seitlich vor ihrem Tänzer. Der letzte Pascher erfolgt im 8.Takt auf das 1.Viertel. Danach wenden sich die Tanzpartner zueinander und fassen einander an den ungleichnamigen Händen (Zweihandfassung).

3.Teil - Großes Übergangl: 8 Takte

Takt 1: Armschwung vom Tänzer aus nach rechts; bei gleichzeitigem Folgen der Bewegung mit einem kleinen Seitstellschritt.

Takt 2: Armschwung vom Tänzer aus nach links, Seitstellschritt zurück.

Takt 3 u. 4: Auf Takt 3 wird der Schwung nur mehr angedeutet und dabei die Fassung seiner Linken und ihrer Rechten gelöst. Gleichzeitig schwingt der Tänzer seine Rechte mit ihrer Linken hoch und geht unter den nun erhobenen, gefassten Händen durch und dreht nach rechts aus (im Uhrzeigersinn).

Takt 5 u. 6: Der Tänzer dreht die Tänzerin unter den noch immer erhobenen, gefassten Händen einmal nach links ein (gegen Uhrzeigersinn) mit Stop auf Takt 6. (Arme abgewinkelt, wobei er am Ende von Takt 6 die Hände auf ca. Augenhöhe der Tänzerin senkt und deutlich in der Bewegung innehält.)

Takt 7 u. 8: Der Tänzer dreht die Tänzerin einmal nach rechts (im Uhrzeigersinn); senkt die gefassten Hände und schwingt diese leicht nach vor (Ausholen zum folgenden Landlerdrahn).

Landlerdrahn:

3x8 Takte + 1 Takt von der Kadenz (= 5x5 getanzte Takte!)

Eine Figurenfolge beansprucht 5 Takte und wird bis zur Kadenz fünfmal wiederholt.

In Kurzform: Tänzerin 2 mal nach links drehen mit Nachschwingen und 1 mal nach rechts drehen mit Stop (wie Takt 6 des Übergangls), wobei sich die Tanzpartner zusätzlich einmal im Uhrzeigersinn umkreisen.

Die 5 Takte des Landlerdrahns:

Eine genaue Beschreibung des Landlerdrahns erweist sich als schwierig, da sich verschiedene Bewegungen gleichzeitig abspielen und flüssig ineinander übergehen. Das geschriebene Wort kann nun einmal nur hintereinander dargestellt werden, und somit ist jede Beschreibung nur ein Darstellungsversuch, der das Vorzeigen nur schlecht ersetzt.

Man möge auch die Beschreibungen des Ybbser und Obernberger Landlers vergleichen. Die Takte 1 bis 3 des Neustadtlers entsprechen den Takten 3 bis 5 des Ybbsers und Obernbergers.

Takt 1 bis 3: Der Tänzer hebt die gefassten Hände, wendet sich der Tänzerin kurz zu und beginnt sie zweimal nach links (gegen den Uhrzeigersinn) einzudrehen. Gleichzeitig umschreiten sich die Tanzpartner nach rechts (im Uhrzeigersinn) herum, er mit 3 Schritten, sie mit 2 Gehschritten und 1 Wechselschritt. Sie macht außerdem bei jedem Gehschritt fast eine halbe, beim 3. Schritt etwas mehr als eine ganze Drehung um die eigene Achse. Zuletzt werden die gefassten Hände gesenkt und in Brust- bis Hüfthöhe nach hinten durchgeschwungen.

Choreographisch gesehen ist der Weg der Tänzerin eher ein Dreieck als ein Kreis. 1.Schritt (links): auf die Kreislinie - 2.Schritt (rechts): in den Kreis - 3.: Mit dem 2. Dreher (links-rechts-links) heraus.

Takt 4 und 5: Nun hebt der Tänzer die gefassten Hände hoch und dreht die Tänzerin einmal nach rechts (im Uhrzeigersinn) aus. Spätestens jetzt blickt er wieder in Tanzrichtung und geht geradeaus vorwärts. Im 5.Takt stoppt er die Drehung der Tänzerin durch Abwinkeln der Arme. Ihr rechter Fuß bleibt nun belastet. Die gefassten Hände verharren für einen Augenblick bewegungslos in Brust- bis Kinnhöhe des Tänzers (etwa Augenhöhe der Tänzerin), wobei sich die Tanzpartner etwas zueinander wenden und Blickkontakt aufnehmen.

Welche Schritte der Tänzer macht, ist ihm selbst überlassen, entweder Landlerschritte oder einen Gehschritt pro Takt.

Durch die vielen Drehungen hat die Tänzerin sowieso kaum eine Wahl. Nach dem oben beschriebenen Dreieck folgt 4.: Rechtsdreher am Platz (rechts-links-rechts-links) - 5. Schritt in Tanzrichtung (rechts).

Hinweis: Takt 5 des Landlerdrahns ist ident mit Takt 6 des Übergangls.

Wenn die Kadenz einsetzt, weiß man, dass das Landlerdrahn zu Ende ist. Man braucht daher die Wiederholungen nicht mitzuzählen, sondern tanzt ganz einfach den letzten Dreher zu Ende.

Kadenz: 7 Takte

Im 1.Takt wird die letzte Figur des Landlerdrahns zu Ende geführt (Stop nach der letzten Rechtsdrehung der Tänzerin; siehe oben, Takt 5).

Takt 2 u. 3: "Dirndl einfangen" und Flankenkreis einnehmen.

Der Tänzer hebt die gefassten Hände hoch, beginnt die Tänzerin nach links (gegen Uhrzeigersinn) einzudrehen, senkt den Arm im Weiterdrehen und legt ihn um ihre Schultern ("einfangen"). Die nach wie vor gefassten Hände ruhen auf ihrer rechten Schulter. Dabei führt der Tänzer seine Tänzerin zusätzlich mit seiner freien Linken an ihrem linken Oberarm, bis sie sich an seiner rechten Seite befindet.

Takt 4 bis 7: In dieser Stellung wird zwanglos in Tanzrichtung gegangen, der Tänzer mit Nachführschritten, die Tänzerin mit Ländlerschritten. Im letzten Takt der Kadenzmelodie dreht er, ohne die gefassten Hände zu heben, die Tänzerin einmal nach rechts (im Uhrzeigersinn) aus.

Danach beginnt das nächste Durchspiel des Landlers; früher wurden bis zu 6 Durchspiele getanzt.

Abschluss

Nach dem letzten Durchspiel folgt ein langsamer [[Linkswalzer] (32 Takte) in offener Rundtanzhaltung.

Quellen

  • Niederösterreichisches Volksliedwerk, Feldforschung Sissy Banner 1996
  • Herbert Lager/Wolfgang Geitner, 1965, Die Landler des Ybbsfeldes
  • Gerlinde Haid/Maria Walcher/Toni Distelberger, 1984, Protokolle der Feldforschung
  • Ludwig Berghold, 1975, Volkstänze aus NÖ
  • Tanzbeschreibungen zur CD-Reihe "taktvoll", Volkstänze aus Niederösterreich, erstellt von Franz Huber und Helene Oberradter, Volkskultur Niederösterreich.

Wissenswertes

Datum der Aufzeichnung: 15. Aug. u. 29. Sept. 1996 in Neustadtl a.d.Donau (unweit Amstetten)

Gewährsleute

Reiter Rudolf, vulgo Dörfl, Jg.1929 und Gattin Leopoldine, Jg.1927

Tüchler Alois, vulgo Egg, Jg.1925 und Gattin Aloisia, Jg.1926

Spieler: Johann Temper, vulgo Rühring, Jg.1928, Steirische Harmonika, und Brüder:

Josef, vulgo Ritzlehen, Jg.1929, Klarinette

Rudolf, Markt 61, Jg.1932, Saxophon

Aufgezeichnet von: Sissy Banner, Amstetten, Ödhofstr.18 unter der organisatorischen Leitung von Toni Grafeneder, Neustadtl, Schaltberg 33.

Bild und Ton: Steve Banner, Amstetten, und Toni Grafeneder, Neustadtl.

Video: Josef Grünberger, Neustadtl, Markt. Videoschnitt: Hella Wald, Wien.

Textbearbeitung: Sissy Banner, Amstetten

Lektoren: Hella Wald, Wien und Ludwig Berghold, Klosterneuburg

Das Protokoll der Aufzeichnung und Kopien des vorhandenen audiovisuellen Materials wurden dem N.Ö.Volksliedwerk zur Archivierung anvertraut. Ein zur Vorführung geeigneter Videofilm ist in Vorbereitung (Hella Wald /Sissy Banner). Eine Notentranskription der Musik wurde vom Volksliedwerk hergestellt.

Zur Tanzbeschreibung

Es sei bemerkt, daß die Gewährsleute nur annähernd das Gleiche tanzten. Außerdem tanzte jeder einzelne je nach Tagesverfassung und Laune etwas unterschiedlich. Es war daher von der Autorin mit Hilfe von Quellenstudium, eigener Tanzerfahrung beim Ausprobieren und vergleichende Studien mit den anderen Landlern aus dem Ybbsfeld eine Entscheidung zu treffen, welche Fassung der Beschreibung die wahrscheinlich richtigste ist und zur Veröffentlichung freigegeben wird. Der Vollständigkeit halber seien aber die beobachteten Abweichungen wie folgt erwähnt:

  • Eingang: Der Stampfwirbel entfällt und wird durch einen Stampfer auf den 1.Taktteil ersetzt.
  • 1.Teil: Der Tänzer geht mit Landlerschritten (statt mit Nachführschritten), links beginnend und stampft auf das 1.Viertel abwechselnd links und rechts.
  • 2.Teil: Bei lustiger Stimmung drehen sich zwei Tänzer zueinander und klatschen abwechselnd in die eigenen und in die Hände des Partners. Es kann auch gedoppelt werden (nicht vorgeführt, nur mündlich überliefert).
  • 3.Teil: Ab dem 3.Takt wird bereits mit Landlerdrahn begonnen. Manchmal wurde auch 3 bis 4 mal geschwungen. Einer der Musikanten, der am 15.8. auch mittanzte, machte statt des Armschwingens eine Mühle links herum (wie Blindenmarkter Landler).
  • Landlerdrahn: Auf Takt 5 (nach der Rechtsdrehung der Tänzerin im 4.Takt) gehen Tänzer und Tänzerin einen Landlerschritt auseinander (wie beim Obernberger Landler), sodass die gefassten Hände leicht gestreckt sind. Im nächsten Takt gehen die Partner wieder aufeinander zu, gleichzeitig mit dem Beginn des Dirndldrahns nach links (Takt 1).
  • Beide Partnerinnen der Gewährsleute unterließen mehrheitlich (insbesondere am Tag der Videoaufzeichnung) das gegenseitige Umeinanderschreiten während der beiden Linksdrehungen. Der Tänzer umkreiste sie während der fünf Landlerdraher insgesamt zweimal, sodass er nicht nach jedem Dreher in Tanzrichtung blickte.
  • Kadenz:* Der Tänzer dreht die Tänzerin schon früher aus (im Uhrzeigersinn) und stampft auf jedes 1.Viertel der letzten beiden Takte.

Noten

CD

taktvoll. Volkstänze aus Niederösterreich CD 1, Nr. 17

Video