Hüttenberger Reiftanz

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Tanzbeschreibung

Zu den schönsten Brauchtumstänzen Kärntens, ja Österreichs, gehört der Hüttenberger Reiftanz, der - alle drei bis vier Jahre - am ersten Sonntag nach Pfingsten, dem sogenannten Dreifaltigkeitssonntag, in dem alten Bergwerksort getanzt wurde. Hüttenberg prangt an seinem Laubhüttenfest im Flaggenschmuck, in Blumen und in Grün Die Knappen beherrschen mit ihren schwarzen, ernsten Uniformen, deren farbige Aufschläge und wehenden Federbuschen die einzelnen Reviere (Arbeitsstätten) kennzeichnen, die Straßen. Im Gasthaus "Zur Krone" erwartet, bräutlich geschmückt, die junge Reiftanzbraut - ein Sinnbild des Frühlings, mit dem Berghauptmann ("Bergrichter") und mit den Festgästen die Bergwerksmusik und die Belegschaft der Werke, die sie nach dem Platzräumen im festlichen Zug zu diesem Frühlingsfest geleiten. Unter Führung zweier Narrengestalten - des "Hans Obermoar" und des "Schweifträgers" - sowie der schmucken Reiftänzer marschieren alle zum Unteren Platz, wo, wie am Barbaratag am Knappenberg, das Radschlagen, ein spiralenförmiger Aufmarsch mit Fahnenschwingen, stattfindet. Dann geht es zum Oberen Platz zur Laubhütte, dem Pfingstzelt des symbolischen Maikönigs.

Nach der festlichen Begrüßung beginnt der fast eine Stunde dauernde Knappentanz. Unter der Führung des "Hans Obermoar" treten die 24 Männer mit ihren grünen, blumengeschmückten Reifen zum Tanze an. Eine alte Pfeiferweise klingt auf, 108mal wiederholt, zu dem nun beginnenden, eigentlichen Reiftanz. Eine Anzahl der mannigfachen Reiftanzfiguren in immer neuen Verschlingungen und Auflösungen folgt. Ausgehend von der Doppelreihe, kommt es zum Reifenheben, -senken und -zurückschlagen, zum Übersprung und Durchgang ("Purzelsprung, Schneckengang, Über-Reif-Springen, Unter-Reif-Gehen...").

Nach dieser Polkamelodie folgt der schönste Teil des Hüttenberger Reiftanzes, der "Walzer". Reifen wird an Reifen gelegt, die Stollen und das Grubenhaus, die Arbeitsstätten der Knappen, werden im Tanze nachgebildet. Dabei erklingt das Bergmannslied "Tief in der Erde Schoß". Es gibt keinen schöneren und sinnigeren Ausdruck für Berufsgesinnung und Arbeitsverbundenheit als diesen Teil des Reiftanzes.

Mit dem kurzen, fröhlichen "Scheertanz", der die Auflösung des Grubenhauses und die Rückkehr zur Doppelreihe bringt, schließt dieser Männertanz, um fröhlichen Tanzspielen, dem "Rasieren" und "Zahnziehen" des Schweifträgers, Platz zu geben. Was sich dabei heute als heiterer Scherztanz ausnimmt, hatte dereinst einen tiefen kultischen Sinn bei der Männerweihe.

Mit den "Ehrentänzen" der Reiftanzbraut und der Festgäste schließt dieser Brauchtumstanz, dem noch ein heiteres "Pritschen" folgt. Wer kein Bergleder trägt, egal ob Mann oder Frau, muss sich nach dem Tanz und am folgenden Montag die segenspendenden Streiche des Hans Obermoar auf der Pritschenbank gefallen lassen.

Da der Hüttenberger Reiftanz mit seiner jahrhundertealten Tradition zu den vollständigsten Reiftänzen (den Nachfolgern der noch älteren Schwerttänze) gehört, ist hier - nach Univ.-Prof. Dr. Richard Wolfram - viel altes Gedanken- und Formengut lebendig geblieben: Der Schlag mit der Pritsche (Klatsche), das Durchgehen durch künstliche Tore als Sinnbild der Wiedergeburt, die Jünglingsweihe mit dem Bartscheren und Zahnziehen, die Scheintötung und Wiedererweckung des Narren (Grubenhaus) und das Fahnenschwingen, das ehemalige "Ehrbarmachen" bei Verstößen gegen die Kameradschaft.

Quelle

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