Rasierertanz

Aus Dancilla Wiki
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Ausgangsstellung

Gruppentanz im großen Kreis, in der Kreismitte die handelnden Personen.

Beschreibung laut Dreo

In der Kreismitte sitzt der Kunde. Um ihn herum stehen der Meister und der Lehrbube. Der Lehrbub seift den Kunden mit Mehl ein. Dem Meister gefällt die Arbeit seinen Lehrlings nicht, deshalb seift er - mit Ruß - seinen Kunden ein. Der Lehrbub hält dem Meister einen Besen zum Abziehen des Rasiermessers hin. Der Meister zieht das hölzerne Rasiermesser ab und beginnt den Gast zu rasieren. Dabei schneidet er ihm den Hals ab. Der Kunde fällt vom Sessel und bleibt tot am Boden liegen.

Der Lehrbub hält nun dem Meister dessen Missgeschick vor und deutet mit Gesten an, dass dem Meister nun der Galgen blühe. Dieser beugt sich erschrocken über den Toten, legt dessen Hände an den Körper, richtet die Füße aus und legt sie aneinander.

Dabei streckt der scheinbar Tote einmal die Hände und die Füße aus, zum Zeichen, dass noch Leben in ihm ist.

Darauf nimmt der Meister den Besenstiel, benützt ihn als Hörrohr und setzt ihn auf das Herz des Kunden. Er zeigt durch Gesten seinem Lehrling, dass noch Leben im Kunden ist. Der Meister gibt nun dem Kunden den Besen in die Hand. Der springt auf und treibt den vortrefflichen "Rasierer" mit dem Besen aus dem Kreis.

Zum Tanzspiel

Adalbert Riedl wurde der Tanz von Franz Schedl aus Oberloisdorf mitgeteilt. Der Tanz heißt auch "Rasiererpolka" oder "Båldwiara". Zur Aufzeichnung von Riedl gibt es keine Melodie, es heißt nur vom Gewährsmann, daß zu diesem Tanzspiel Polka musiziert wurde. Die hier wiedergegebenen Melodien sind Polka-(Galopp-)melodien aus Donnerskirchen. In Dörfl jedoch kennt man zu diesem Tanz eine eigene Melodie. Aufzeichner ist Anton Reiterits (siehe Quellennachweis).

Beschreibung laut Raimund Zoder

Der Rasierertanz aus Neuberg an der Mürz, Steiermark

Putz und Roman, zwei junge Holzknechte, zeigten im Gastzimmer vom "Rabenstein" den Rasierertanz.

Roman wollte sich rasieren lassen und da ging schon die Tür auf und Putz, der Rasierer, war da. Er hatte einen Schirm unter dem Arm, eine Schale mit "Seifenschaum", in Wirklichkeit Eierschnee, und ein langes Messer in der Hand.

Roman setzt sich auf einen Sessel, Putz gab ihm einen Riemen um den Hals und begann im Takt eines Ländlers, das Messer abzuziehen. Dann seifte er den Kunden ein und strich ihm dabei ganz "zufällig" ein paar Mal mit dem Eierschaum über den Mund. Nun kratzte der Rasierer dem Kunden mit dem Messer das Gesicht ab und strich das Messer immer in den Mund des Roman ab. Einmal "schnitt" Putz den Roman und pickte ihm dann ein Pflaster auf. Als er schließlich fertig war, wischte er dem Roman das Gesicht ab. Dieser wollte nun ohne Bezahlung fortgehen, der Rasierer hielt ihn an, forderte sein Geld, und da er nichts bekam, erschlug er ihn. Da erschrak er über seine Tat, er kniete neben dem "Toten" nieder und klopfte und horchte ihn am ganzen Körper ab. Dann dachte er eine Weile nach, schließlich kam ihm ein guter Gedanke. Er nahm seinen Schirm, setzt ihn hinten bei dem Toten an und begann zu pumpen. Der "Tote" schwoll immer höher an und marschierte schließlich auf allen Vieren hinaus, hinterdrein pumpend der Rasierer.

Beschreibung Bolwiertonz

In der Zeitschrift für österreichische Volkskunde aus dem Jahr 1902 steht ab Seite 136 unter "Kirchweihtänze im Orte Kohlheim - Pfarre Neuern im Böhmerwalde" eine köstliche Beschreibung des Bolwiertonz (Barbiertanz) und des anschließenden Longa Tonz, offensichtlich einer Art Schleunigen, verfasst von Franz Lutsch. Die Zeitschrift ist unter Volkskundemuseum als PDF abrufbar.

Quellen