Richard Wolfram

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  • 16. 9. 1901, Wien
† 30. 5. 1995, Traismauer (Niederösterreich)

Leben

Richard Wolfram wurde am 16. September 1901 in Wien in einer bildungsbürgerlichen großdeutschen Familie geboren.

Die Beschäftigung mit der Volkskunde fand wohl schon Anregung durch seinen Vater und seinen Onkel, den Südtiroler Volksliedforscher Franz Friedrich Kohl (1851-1924).

Er absolvierte von 1920 bis 1926 Studien der Germanistik, Skandinavistik und Kunstgeschichte an der Universität Wien, die er 1926 mit der Promotion (mit "Ernst Moritz Arndt und Schweden. Zur Geschichte der deutschen Nordsehnsucht") abschloss.

1934 erfolgte die Habilitation (Bestätigung erst 1936) für "germanische Volkskunde und Neuskandinavistik" (mit "Schwerttanz und Männerbund").

Von 1928 bis 1938 war er Lektor für die schwedische Sprache an der Universität Wien, von 1928 bis 1945 (Gründungsmitglied und) Vorsitzender der "Österreichisch-Schwedischen Gesellschaft Svea", die auch politisch tätig wurde.

In der Zeit von 1934 bis 1939 hielt er sich vermehrt in Skandinavien auf – nach eigener Aussage – als "Zeitungskorrespondent".

1938 wurde er der Leiter der "Lehr- und Forschungsstätte für germanisch-deutsche Volkskunde" innerhalb der Außenstelle Süd-Ost der "Forschungsgemeinschaft 'Das Ahnenerbe' der SS Heinrich Himmler" in Salzburg und Wien. 1940/41 war er im Rahmen seiner Ahnen-Erbe-Funktion wesentliches Mitglied der "Südtiroloption" in der "Kulturkommission Südtirol".

1939 wurde er zum ao. Universitätsprofessor für "germanisch-deutsche Volkskunde" ernannt und blieb in dieser Funktion bis 1945.

Nach Kriegsende wurde ihm die Lehrbefugnis entzogen, erst nach neun Jahren als "freiberuflicher Volkskundler" erlangte er 1954 die Venia legendi als Dozent der Universität Wien wieder, wurde 1959 zum außerordentlichen Universitätsprofessor wiederernannt und schließlich 1963 zum ordentlichen Professor berufen (Emeritierung 1972).

Richard Wolfram war eine der zentralen Persönlichkeiten der frühen wissenschaftlichen Volkskunde. Er war wesentlich in den Wissenschaftsapparat des NS-Regimes integriert und involviert. Durch den Wiedererhalt der Venia legendi 1954 prägte er auch die Nachkriegsvolkskunde an der Universität Wien bis in die 1970er Jahre nachhaltig.

Ab 1951 korrespondierendes Mitglied des "International Folk Music Council", 1953 Gründungsmitglied und ab 1959 Vorsitzender der Gesellschaft für den Österreichischen Volkskundeatlas, dessen Herausgeber er wurde (Arbeitsende 1981, Auflösung der Gesellschaft 1991).

Ab 1968 war er korrespondierendes und ab 1971 wirkliches Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.

Am 30. Mai 1995 starb Univ.-Prof Richard Wolfram in Traismauer in Niederösterreich.

Seine über 250 Publikationen, seine Forschungen auf den Sektoren Volkstanz, Tracht und Brauch, sowie seine charismatische volksbildnerische Tätigkeit in den Organisationen und Vereinen der Pflege machen ihn in dieser Bevölkerungsgruppe bis heute zu einem verehrten Mentor (ein nicht unproblematischer Aspekt, da dadurch unhinterfragt manchmal auch Sichtweisen und Wertungen der NS-Zeit weitergetragen werden).

Das Salzburger Landesinstitut für Volkskunde (SLIVK) beherbergt und bearbeitet den Nachlass Wolframs, der ein Stück Zeitgeschichte der Österreichischen Geisteswissenschaften darstellt und ebenso Wissenschaftsgeschichte der Volkskunde und ihrer Instrumentalisierungen ist.

Auszeichnungen, Ehrungen (Auswahl)

   Ritter des schwedischen Wasa-Ordens I. Klasse, 1930
   Georg-Graber-Medaille der Kärntner Landsmannschaft, 1968
   Kommandeur des Schwedischen Nordsternordens, 1972
   Arthur-Hazelius-Medaille des Nordischen Museums in Stockholm, 1973
   Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien in Silber, 1977
   Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse, 1984
   Goldenes Ehrenzeichen des Landes Salzburg, 1984
   Glaspokal des Landes Salzburg, 1985
   Einrichtung eines Richard-Wolfram-Raumes im Schwedischen Tanzmuseum in Stockholm, 1991
   Vielfältige und zahlreiche Ehrungen am Sektor der Volksmusikpflege und des Volkstanzes durch Gebietskörperschaften, Gesellschaften und Vereine 

Werke (Auswahl)

   Schwerttanz und Männerbund, 3 Bände, 1936-37
   Die Volkstänze in Österreich und verwandte Tänze in Europa, 1972
   Brauchtum und Volksglaube in der Gottschee, 1980
   Südtiroler Volksschauspiel und Spielbräuche, 1987

Quelle

Einiges über Wolfram, seine heute überholte Ideologische Basis und die Begründung für sein Werk lesen Sie im Buch "Volkstanz zwischen den Zeiten".