Kategorie:Gestalteter Tanz

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Version vom 27. Februar 2017, 09:00 Uhr von Franz Fuchs (Diskussion | Beiträge)

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Diese Seite dient dazu, alte und überholte Behauptungen der Volkstanzpflege zu hinterfragen. Wikipedia nennt dies Erfundene Tradition.

Von Volkstanzleitern gestaltete Tänze

Hier werden einige Tänze aufgelistet, die heute als Volkstanz gelten, die aber von Raimund Zoder und seinen Schülern gestaltet wurden.

Volkstanz zwischen den Zeiten

Im Buch Volkstanz zwischen den Zeiten werden auf Seite 48 einige dieser Tänze aufgelistet und die Begründung für diese Neugestaltung hinterfragt.

Hintergrund

Volkstanz war im Bewusstsein Zoders etwas im Volk gewachsenes, an dem man nichts ändern sollte, das möglichst im Original erhalten bleiben sollte. Entgegen dieser Annahme haben er und etliche seiner Schüler Tänze gestaltet, an Bedürfnisse von Tanzgruppen angepasst oder sogar Vorführtänze neu geschaffen.

Ich (Franz Fuchs) meine dazu, Volkstanz ist nie "im Volk gewachsen", jeder Tanz wurde wie die Volksmusik immer von einzelnen gestaltet, wie ich etwa beim Treskowitzer Menuett nachgewiesen habe. Wenn diese Gestaltung Anklang gefunden hat, wurde sie von anderen übernommen und auch überliefert.

Außerdem besteht unser Volkstanzrepertoire zu einem Großteil aus Gesellschaftstänzen des 17. bis 19., zum kleineren Teil sogar des 20. Jahrhunderts. Auch die Musik ist sehr häufig nicht wirklich alt, sondern fußt auf Schlagermusik des frühen 20. Jahrhunderts. Etwa ist der allgemein bekannte Volkstanz Bummelpeter ein Gesellschaftstanz Rheinländer, er wird getanzt zu einem Schlager aus 1920 und steht sogar noch unter Urheberrecht.

Einige Änderungen

Zu dieser Gestaltung gehören unter anderem auch Tanzkreis, Tanzrichtung, Aufstellung der Paare, Anordnung der Figuren, Name der Tänze, viele Partnerwechseltänze und ähnliches. In unseren Tanzaufzeichnungen wurde all dies schon von Zoder nach den Bedürfnissen der Pflege geordnet.

Diese Gepflogenheiten sind zwar aus einer heute überholten Ideologie entstanden, die angeführten Beispiele gehen aber auch heute in Ordnung, da sie sich bewährt haben bzw. unsere Volkstänzer sich daran gewöhnt haben. Wir sollten nur wissen, dass dies Gepflogenheiten eben der Pflege sind.

Beispiele

Bei vielen Tänzen gab es ursprünglich keine geordnete Aufstellung oder höchstens eine chaotische. Jeder tanzte, wo gerade Platz war, tanzte oft am Platz, auch beim Rundtanz, oder in eine Richtung, in der das eben möglich war. Genauso ist es heute ja auch beim Gesellschaftstanz.

Bei etlichen Tänzen stand laut Aufzeichnung der Tänzer außen im Tanzkreis, etwa bei der Ennstaler Polka. Ich meine, auch das war nie eine vorgeschriebene Aufstellung, sondern eher ein Hinweis auf diese ungeordnete "Tanzaufstellung", genau so wie der Beginn gegen die heute vorgeschriebene Tanzrichtung etwa beim Paschaden Flugsummi.

Bei vielen Tänzen wurde die Anordnung verschiedener Figuren erst durch die Pflege fixiert, etwa bei unseren Ungarisch-Schottischen oder beim Feistritzer Landler.

Um die vielen Tänze voneinander unterscheiden zu können, wurde oft der Aufzeichnungsort im Namen angeführt, etwa Topporzer Kreuzpolka statt Kreuzpolka. Dies wurde auch dann gemacht, wenn es eigentlich nicht notwendig gewesen wäre, etwa wurde von Zoder der Scheibentanz in Feistritzer Ländler umbenannt.

Der Tanzkreis hat überhaupt einen mythischen, ideologischen Hintergrund, der an sich seit 1945 überholt ist. Ich behaupte, ein Tanzkreis war im ursprünglichen Tanz des Volkes nur bei wenigen Tänzen wirklich notwendig. Bei allen in den Volkstanz übernommenen Gesellschaftstänzen des 19. Jahrhunderts war er eben nicht notwendig und wurde daher auch nicht allgemein angewendet. Der Kreis als Sinnbild einer Gemeinschaft, oft als Volksgemeinschaft interpretiert, war im Volk nie wichtig. Allerdings hat er sich als Ordnungsrahmen bei unseren Volkstanzgruppen sehr bewährt.

notwendige Änderungen

Unser Verständnis von Volkstanz ist derzeit in Änderung begriffen. Hier werden vorerst Wünsche auf Tanzfeste aufgelistet, die derzeit erst teilweise selbstverständlich werden.

  • Tanzen soll Freude bringen. Alles, was Freude am Tanz fördert, auch jugendliche Auswüchse, sollte erlaubt sein. Tanzen ohne Freude ist Museum oder Theater.
  • Jeder, der gerne tanzt, sollte bei jedem Tanz mitmachen dürfen, auch wenn er die vorgeschriebenen Figuren nicht oder nicht vollzählig beherrscht. Genau das hat schon Ernst Hamza im Jahr 1913 bei der Erstaufzeichnung des Scheibentanzes beschrieben. Die heute übliche Figurenreihenfolge hat dann Raimund Zoder 1931 festgelegt.
  • Jeder sollte darüber hinaus seine eigene Figurenreihenfolge tanzen dürfen, wenn es ihm Freude macht - und wenn er damit die anderen Tänzer nicht stört.
  • Beim Tanz halte ich einen lieben Menschen im Arm und nicht ein Tanzsportgerät.
  • Wenn ich mit einem bestimmten lieben Menschen tanzen möchte, darf ich auch etwa bei Wechseltänzen eusscheiden, ohne schief angeschaut zu werden.
  • Wer für mich ein lieber Mensch ist, ist alleine meine Entscheidung und die meines Partners, geht sonst niemanden etwas an. Warum sollen nicht auch Frauen mit Frauen und Männer mit Männern tanzen?
  • Auch wenn ich müde bin, oder aus vielen anderen Gründen, muss ich nicht bei jedem Tanz mittanzen müssen.
  • Volkstracht ist etwas Schönes, ich trage sie gerne, vor allem bei festlichen Gelegenheiten. Wenn ich sie aber einmal nicht trage, geht das ebenfalls niemanden etwas an. Niemand darf ausgeschlossen werden, nur weil er nicht die passende Tracht trägt, sondern etwa im Wiesendirndl oder im Ballkleid zu unseren Festen kommt.
  • Noch einmal: Tanzen soll Freude sein.

Tänzerische Muttersprache

Immer wieder wurde behauptet, Volkstanz aus der eigenen Heimat sei die "tänzerische Muttersprache", bevorzugt wurden Tänze des eigenen Volkes oder gar "arteigene Tänze", "artfremde Tänze" seien abzulehnen. Zusätzlich könne man "artverwandte Tänze" versuchen. Diese Sicht ist aus nationalistischer Ideologie entstanden und heute natürlich überholt.

Tänze aus ?

Praktisch alle Tanzbücher bringen Tänze einer bestimmten Region, eines bestimmten Landes. Schon der Titel vieler Werke legt den Schluss nahe, es handle sich um Tänze aus bestimmten Regionen. Nur als Beispiel nenne ich das Standardwerk Österreichische Tänze. Diese Formulierung ist falsch!

Die Tänze wurden bestenfalls in dieser Region, in diesem Land von eifrigen Forschern aufgezeichnet, manchmal nicht einmal das. Wo diese Tänze tatsächlich entstanden sind, stimmt nur höchst selten mit der angegebenen Orts-Bezeichnung überein, falls das überhaupt feststellbar ist. Ein überraschend großer Anteil unserer Volkstänze, wahrscheinlich die weit überwiegende Mehrheit, waren ursprünglich Gesellschafts- oder Modetänze etwa des 19. Jahrhunderts und sind daher weit verbreitet, über den ganzen deutschsprachigen Raum inkl. aller Sprachinseln, über ganz Europa, manche sogar über die ganze europäisch geprägte Welt. Dass diese Gesellschaftstänze "im Volk" verändert wurden, halte ich ebenfalls für ein frommes Märchen. Verändert haben immer nur einzelne, oft auch, weil sie sich nicht so genau erinnerten, oder weil sie den Tanz eigentlich nie wirklich gelernt hatten.

Zu diesem Thema hat Herbert Zotti in der ihm eigenen pointierten Ausdrucksweise einen sehr lesenswerten Artikel verfasst und in der Zeitung der BAG Österreichischer Volkstanz Fröhlichen Kreis März 2001 auf Seite 9 veröffentlicht:

Von "tänzerischer Muttersprache" und angeborenen Bewegungseinheiten

Fingerspitzengefühl

Herbert Lager meinte bei vielen mir in Erinnerung gebliebenen Referaten, Neugestaltung von Volkstänzen sei manchmal notwendig, müsse aber mit dem richtigen Fingerspitzengefühl vorgenommen werden, das dürfe man nur, wenn man es im kleinen Finger habe. Dazu zeigte er mit der linken Hand seinen rechten kleinen Finger. Offensichtlich meinte er damit, er sei der einzige im Saal, der einen derart ausgebildeten Finger besitze.

Ich meine dazu, Volkstanz ist nichts Elitäres, nur einer entsprechend ausgebildeten Elite vorbehaltenes. Volkstanz wurde immer durch einzelne im Volk gestaltet, durch Leute, die wir heute nicht mehr kennen, aber durch Leute aus dem Volk wie wir. Volkstanz dürfen auch wir mit unserem geänderten Lebensgefühl gestalten, und das geschieht ohnedies.

Musik

Besonders deutlich ist das auch bei der vielen Tänzen zugeordneten Musik. Die vom Überlieferer verwendeten Melodien wurden oft als nicht passend verworfen oder auch nur nicht mit aufgezeichnet, da es ohnedies sehr viele passende Melodien gäbe. Nicht passend war immer, wenn ein Tanz zu einer Schlagermelodie oder ähnlichem getanzt wurde. Dabei stammen viele überlieferte Melodien aus Schlagern, die als solche dem Aufzeichner nicht mehr bewusst oder nicht bekannt waren.

Auch die Verengung der vielen überlieferten Melodien auf eine einzelne Kennmelodie ist leider geschehen, ist aber eigentlich eine Verarmung der Überlieferung.

Volksmusik

Was für mich (Franz Fuchs) Volksmusik ist, habe ich auf der Seite Alpenländische Volksmusik kritisch betrachtet.

Auf der Seite Kennmelodie wird die Notwendigkeit von Kennmelodien hinterfragt.

Volkstanzbücher ideologisch betrachtet

Ich (Franz Fuchs) habe mir vorgenommen, einzelne Werke der Volkstanzliteratur, vor allem deren Einleitung kritisch auf ideologische Hintergründe zu untersuchen. Die einzelnen Tanzbeschreibungen sind aber zum allergrößten Teil eher in Ordnung. Da es doch viele Werke gibt, bei denen dies nötig wäre, wird dies einige Zeit dauern. Über Mithilfe, um dieses Werk schneller beenden zu können, würde ich mich freuen.

Vorerst habe ich folgende Werke durchgearbeitet:

Weitere werden folgen.

Volkstanzpersönlichkeiten

Auch die Seiten über die für die Volkstanzpflege in Österreich wichtigen Personen sollten im Sinne von Volkstanz zwischen den Zeiten geändert werden und neue Seiten aufgebaut werden. Das werde ich demnächst beginnen.

--Franz Fuchs