Scharutscha: Unterschied zwischen den Versionen

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== Quellen ==
 
== Quellen ==
  
*Franz Schunko: Ein „Sir Roger“ aus der Buckligen Welt. In: Jahrbuch des Österreichischen Volksliedwerkes 9.1960, S. 93-100.
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* Franz Schunko: Ein „Sir Roger“ aus der Buckligen Welt. In: Jahrbuch des Österreichischen Volksliedwerkes 9.1960, S. 93-100.
*Richard Bammer: Niederösterreichische Volkstänze, Arbeitsbehelf. Niederösterreichische Arbeitsgemeinschaft für Volkstanz, Wien o.J., S. 8-10.
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* Richard Bammer: Niederösterreichische Volkstänze, Arbeitsbehelf. Niederösterreichische Arbeitsgemeinschaft für Volkstanz, Wien o.J., S. 8-10.
*Ludwig Berghold u. Walter Deutsch: Volkstänze aus Niederösterreich, Bd. 2. NÖ Heimatpflege, Mödling 1988, S. 40-42, S. 71.
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* [[Volkstänze aus Niederösterreich]], Bd. 2, Ludwig Berghold und Walter Deutsch, NÖ Heimatpflege, Mödling 1988, S. 40-42, S. 71.
*Tanzbeschreibungen zur CD-Reihe "[[taktvoll]]", Volkstänze aus Niederösterreich, erstellt von Franz Huber und Helene Oberradter, Volkskultur Niederösterreich.
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* Tanzbeschreibungen zur CD-Reihe "[[taktvoll]]", Volkstänze aus Niederösterreich, erstellt von Franz Huber und Helene Oberradter, Volkskultur Niederösterreich.
 
* Übertragen von [http://www.volksmusik.cc/ Volksmusik und Volkstanz im Alpenland]
 
* Übertragen von [http://www.volksmusik.cc/ Volksmusik und Volkstanz im Alpenland]
  

Version vom 6. November 2017, 14:55 Uhr

Sir Roger (Ransdorf, Bucklige Welt)

Ausgangsstellung

Zwei Stirnreihen zu je vier Personen (vier Tänzer, vier Tänzerinnen) bilden eine Gasse. Sie stehen zirka zwei Meter voneinander entfernt, der Abstand zwischen den Tänzern oder Tänzerinnen beträgt höchstens 1,5 Meter.

Tänzer:        1   2   3   4
               V   V   V   V

Tänzerinnen:   O   O   O   O
               1   2   3   4

Schritt

Ein federnder, gleitender Laufschritt mit sehr geringer Hochbewegung des Oberkörpers; Laufen aus dem Knie.

1. Teil (Paar 1)

1. Figur: „Durchlaufen“ (8 Takte)

Das 1. Paar löst sich aus der Reihe und läuft, der Tänzer und die Tänzerin mit dem linken Bein beginnend, durch das Spalier mit gefassten Innenhänden (Tänzer rechte, Tänzerin linke Hand) durch. Am Ende der Gasse wird gewendet. (Tänzer über rechts, Tänzerin über links) und zurückgelaufen (Innenhände wieder gefasst). Das Paar reiht sich wieder ein.

2. Figur: „Handtour rechts“ (8 Takte)

Zu Beginn klatschen Tänzer 1 und Tänzerin 4 in ihre Hände und beginnen mit der Ausführung der Figur. Tänzer und Tänzerin beginnen mit dem linken Bein; sie laufen aufeinander zu, machen die Handtour mit der rechten Hand einmal um die gemeinsame Achse nach rechts. Dann wird die Handhaltung gelöst und rücklings in die Reihe zurückgelaufen. Nun führen der Tänzer 4 und die Tänzerin 1 das gleiche aus.

3. Figur: „Handtour links“ (8 Takte)

Der Tänzer 1 und die Tänzerin 4 klatschen in die eigenen Hände, laufen aufeinander zu und machen die Handtour mit der linken Hand nach links; die Ausführung wie bei der 2. Figur. Anschließend führt der Tänzer 4 mit der Tänzerin 1 das gleiche aus.

4. Figur: Einhängen rechts (8 Takte)

Tänzer 1 und Tänzerin 4 klatschen in die eigenen Hände. Tänzer 1 und Tänzerin 4 bewegen sich aufeinander zu, hängen sich in den rechten Arm des Partners ein und machen eine Drehung nach rechts. Die Fassung wird gelöst, daraufhin rücklings in die Reihe zurückgelaufen. Dasselbe vollführt anschließend Tänzer 4 und Tänzerin 1.

5. Figur: „Einhängen links“ (8 Takte)

Tänzer 1 und Tänzerin 4 klatschen in die eigenen Hände. Sie hängen sich in ihre linken Arme ein und machen eine Drehung nach links, dann wird wieder rücklings in die Reihe zurückgelaufen. Die gleiche Figur tanzt nun Tänzer 4 mit Tänzerin 1.

6. Figur: „Handflächen auflegen“ (8 Takte)

Tänzer 1 und Tänzerin 4 klatschen in die eigenen Hände. Sie legen die ungleichnamigen Hände zusammen (in Kopfhöhe) und machen eine Drehung um die gemeinsame Achse nach rechts; dann bewegen sie sich wieder rücklings in die Reihe zurück. Dasselbe wird auch von Tänzer 4 und Tänzerin 1 ausgeführt.

7. Figur: „Dosido“ oder „Dos à dos“ oder „Rücken an Rücken“ (8 Takte)

Tänzer 1 und Tänzerin 4 klatschen in die eigenen Hände. Sie verschränken ihre Arme vor der Brust, laufen aufeinander zu, passieren einander rechtsschultrig, schieben sich Rücken an Rücken vorbei und laufen rücklings in die Reihe zurück (Dosido); dasselbe machen Tänzer 4 und Tänzerin 1.

8. Figur: „Umkreisen rechts“ (8 Takte)

Tänzer 1 und Tänzerin 4 klatschen in die eigenen Hände. Sie laufen aufeinander zu, reichen einander die rechten Hände, der Tänzer kniet sich auf das rechte Bein nieder, und die Tänzerin läuft einmal um den Tänzer im Uhrzeigersinn herum. Der Tänzer steht wieder auf, und beide laufen rücklings in die Reihe zurück. Dasselbe vollführen nun Tänzer 4 und Tänzerin 1.

9. Figur: (1. Figur) „Durchlaufen“ (8 Takte)

Das Paar 1 läuft durch die Gasse und reiht sich neben das Paar 4 ein. Sofort schließt sich das Paar 2 an und vollführt die 1. Figur (Durchlaufen). Das Paar 2 hat nun die Rolle des Paares 1 übernommen und das Paar 1 die des Paares 4.

1. Teil (Paar 2)

Nun wird bei der 2. Figur begonnen, und alle Figuren werden durchgetanzt.

1. Teil (Paar 3)

Danach werden abermals die Plätze getauscht, und es wird bei Figur 2 begonnen. Das Paar 3 ist jetzt das Paar 1 und das Paar 2 das Paar 4.

1. Teil (Paar 4)

Abermaliger Platzwechsel. Das Paar 4 ist das Paar 1 und das Paar 3 das Paar 4. Sobald das Paar 1 am 1. Platz steht, beginnt der 2. Teil des Tanzes.

2. Teil (Paar 1)

1. Figur: 9. Figur des 1. Teiles: „Durchlaufen“ (8 Takte)

Wie oben bereits angeführt, ist die 9. Figur des 1. Teiles der Beginn der 1. Figur des 2. Teiles.

2. Figur: „Achterlaufen“

Tänzer 1 und Tänzerin 1 laufen aufeinander zu, hängen sich rechts ein und bewegen sich um die gemeinsame Achse nach rechts; sie vollführen eine Drehung. Die Armfassung wird nun gelöst. Tänzer 1 hängt sich bei der Tänzerin 2 und die Tänzerin 1 beim Tänzer 2 links ein. Beide Paare bewegen sich nach links, vollführen mehr als eine halbe Drehung, und der Tänzer 2 und die Tänzerin 2 kehren auf ihre Plätze zurück.

Jetzt hängen sich wieder Tänzer 1 und Tänzerin 1 rechts ein und machen eine Drehung nach rechts.

Die Armfassung wird nun gelöst. Tänzer 1 hängt sich mit der Tänzerin 3 und die Tänzerin 1 mit dem Tänzer 3 links ein, beide Paare machen mehr als eine halbe Drehung nach links, Tänzer 3 und Tänzerin 3 kehren anschließend auf ihre Plätze zurück. Nun hängen sich wieder Tänzer 1 und Tänzerin 1 rechts ein und vollführen eine Drehung nach rechts.

Die Armfassung wird wieder gelöst. Tänzer 1 hängt sich mit der Tänzerin 4 und die Tänzerin 1 mit dem Tänzer 4 links ein, beide Paare machen mehr als eine halbe Drehung nach links, und der Tänzer 4 und die Tänzerin 4 kehren anschließend auf ihre Plätze zurück.

3. Figur: „Überlaufen“ (Bogenlaufen)

Der Tänzer 1 nimmt mit seiner Rechten die linke Hand der Tänzerin 1 und bildet so ein Tor. Der Tänzer läuft außen, die Tänzerin innen im Uhrzeigersinn, sie passieren zuerst die Tänzerinnen (Reihenfolge 4-3-2) und dann die Tänzer (Reihenfolge 2-3-4). Die stehenden Tänzer und Tänzerinnen klatschen während dieser Figur in die eigenen Hände. Laufen Tänzer 1 und Tänzerin 1 an ihnen vorbei, so wird etwas in die Knie gegangen. Das Paar 1 kommt nun neben dem Paar 4 zu stehen, und alle 4 Paare nehmen Zweihandfassung ein.

4. Figur: „Verschieben“

(Bei der Erklärung „vor“, „zurück“ und „rechts“, „links“ wird von der Sicht des Tänzers aus gesprochen, die Tänzerin führt diese Bewegung gegengleich aus.)

Paar 1 und 4

Das Paar 1 läuft zurück und das Paar 4 nach vor, sie bewegen sich seitlich (Paar 1 nach rechts und Paar 4 nach links), bis sie genügend Platz haben, um aneinander vorbeigehen zu können; dann läuft Paar 4 zurück (Ausgangsstellung) und Paar 1 vor.

Paar 1 und 3

Das Paar 1 läuft gerade vor, und wenn es sich mit Paar 3 auf gleicher Höhe befindet, setzt sich Paar 3 nach rückwärts in Bewegung. In diesem Augenblick bleibt Paar 4 stehen. Wenn Paar 1 und 3 genügend weit auseinander sind, verschieben sie sich seitlich (Paar 1 nach rechts und Paar 3 nach links). Nun läuft Paar 3 vor und Paar 1 zurück.

Paar 1 und 2

Das Paar 1 läuft gerade zurück, und sobald es sich auf gleicher Höhe mit Paar 2 befindet, setzt sich Paar 2 nach vorwärts in Bewegung; in diesem Moment bleibt Paar 3 stehen. Sobald Paar 1 und 2 genügend weit auseinander sind, verschieben sie sich seitlich (Paar 1 nach rechts und Paar 2 nach links). Nun läuft Paar 2 zurück und Paar 1 vor bis zur Ausgangsstellung.

5. Figur: (1. Figur des 2. Teiles):„Durchlaufen“ (8 Takte)

Die Paare 2, 3, 4 bilden eine Gasse, Paar 1 läuft mit Innenhandfassung durch und stellt sich hinten neben Paar 4 an. Sofort schließt sich das Paar 2 an und vollführt die 1. Figur (Durchlaufen). Das Paar 2 hat nun die Rolle des Paares 1 übernommen, und das Paar 1 die des Paares 4. Nun wird bei der 2. Figur (2. Teil) begonnen und alle Figuren werden durchgetanzt.

Paar 2, 3 und 4

Danach werden abermals die Plätze getauscht und bei Figur 1 begonnen. Das Paar 3 ist nun das Paar 1.

Abermaliger Platzwechsel. Das Paar 4 ist nun das Paar 1. Es werden nochmals die Figuren des 2. Teiles durchgetanzt, bis die Paare 1-4 zur Ausgangsstellung gelangt sind.

Auszug

Sobald sich das Paar 4 neben das Paar 3 eingereiht hat, beginnt der Auszug.

Das Paar 1 läuft zuerst durch die Gasse (die Innenhände sind gefasst), dann Paar 2, dann Paar 3 und Paar 4. Die Paare laufen in einer Kreisbewegung gegen den Uhrzeigersinn ab.

Herkunft

Dies ist ein Kontratanz in Reihen.

Der Sir Roger, ein englischer oder schottischer Countrydance, wurde in Wien (aber auch in Niederösterreich, Oberösterreich, Vorarlberg, Böhmerwald, Frankreich, Spanien, Schweden, USA und Australien) ab etwa 1900 als Modetanz getanzt. Er hielt sich mit wechselnder Beliebtheit bis nach dem 1. Weltkrieg. Er wurde auch vom Volk übernommen und umgeformt. Benannt wurde er angeblich nach einem Sir Roger von Coverly, England, dessen Urgroßvater diesen Tanz im Jahr 1766 erfunden haben soll. Die Erstveröffentlichung erfolgte jedoch bereits 1695 in der englischen Sammlung "The Dnacing Master" von John Playford unter dem Namen "Roger of Coverly", sie wurde mehrmals bis 1728 nachgedruckt.

Dieser Sir Roger de Coverley ist eine erfundene Figur, ähnlich unserem "Graf Bobby".

Karl Schnür, Obmann des Beskidenbundes, Wirtssohn aus Kamitz bei Bielitz, hatte etwa 1930 zu diesem Tanz unter dem Namen Saročza im väterlichen Wirtshaus musiziert.

Quellen

  • Franz Schunko: Ein „Sir Roger“ aus der Buckligen Welt. In: Jahrbuch des Österreichischen Volksliedwerkes 9.1960, S. 93-100.
  • Richard Bammer: Niederösterreichische Volkstänze, Arbeitsbehelf. Niederösterreichische Arbeitsgemeinschaft für Volkstanz, Wien o.J., S. 8-10.
  • Volkstänze aus Niederösterreich, Bd. 2, Ludwig Berghold und Walter Deutsch, NÖ Heimatpflege, Mödling 1988, S. 40-42, S. 71.
  • Tanzbeschreibungen zur CD-Reihe "taktvoll", Volkstänze aus Niederösterreich, erstellt von Franz Huber und Helene Oberradter, Volkskultur Niederösterreich.
  • Übertragen von Volksmusik und Volkstanz im Alpenland

CD

  • taktvoll. Volkstänze aus Niederösterreich CD 2, Nr. 25

Noten

Siehe auch

Video

Scharutscha, Bucklige Welt