Siebenbürger Rheinländer

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Tanz der Siebenbürger Sachsen, heute Rumänien

Ausgangsstellung

Wechseltanz paarweise im Kreis, Kreuzhandfassung vorne, rechte Hand des Tänzers über der linken der Tänzerin.

Ausführung

Takt 1-2: 2 Wechselschritte, mit den äußeren Füßen beginnend.

Takt 3-4: 4 Gehschritte (beim 4. Schritt drehen sich die Paare mit einer kurzen Verbeugung zueinander).

Takt 5: Fassung lösen, ein Wechselschritt links seitwärts auseinander (Tänzer in die Tanzrichtung, Tänzerin entgegengesetzt).

Takt 6: Wechselschritt zurück, also rechts seitwärts.

Taenzer28.gif

Takt 7-8: Partnerwechsel mit Handtour: Der Tänzer legt seine rechte Hand in die rechte Hand der von rückwärts kommenden nächsten Tänzerin (Handfläche auf Handfläche). Die Hände sind dabei in Gesichtshöhe, etwas verdreht oder leicht verdrehte Handfassung, die Unterarme nach oben abgewinkelt. In dieser Fassung gehen die neuen Paare einmal um ihre eigene Achse (Handtour rechts), worauf die Ausgangsstellung eingenommen wird und der Tanz wieder von vorne beginnt.

Zur Ausführung

Dieser vornehme Begrüßungstanz verlangt eine besondere Bedachtnahme auf die Armhaltung. Während der seitlichen Wechselschritte und auch während des gemeinsamen Kreisens hält der Tänzer die freien Arme am Besten ruhig herabhängend, während die Tänzerin vorteilhafter Weise Hüftstück nimmt.

Zum Tanz

Dieser Tanz dürfte knapp vor dem 2. Weltkrieg von Eduard Charvat von einer Siebenbürgenfahrt nach Wien mitgebracht worden sein und hat sich daselbst als beliebter, festlich anmutender Partnerwechseltanz rasch verbreitet. Nach 1945 hat dieser Tanz auch in anderen Teilen Österreichs Anklang gefunden. Leider wurde bis jetzt noch nicht ermittelt, ob diese an sich durchaus volksmäßig aufgebaute Rheinländer-Spielart in dieser Form tatsächlich zur Gänze aus der ursprünglichen siebenbürgischen Volksüberlieferung stammt oder ob nicht eine spätere Gestaltung aus der Zeit der Volkstanzpflege in Siebenbürgen mit im Spiele war. Jedenfalls hatte sich dieser Tanz in Siebenbürgen sehr eingelebt, denn Karl Horak konnte ihn nach dem Kriege in einem Flüchtlingslager in Haiming bei siebenbürgischen Heimatvertriebenen wieder beobachten, unter anderem auch in einer etwas abweichenden Spielart, bei der die weitverbreitete Bayrisch-Polka Pate gestanden sein dürfte. - (Vgl. Karl Horak, Deutsche Volkstänze, Heft 48/49, Bärenreiter, Kassel 1961, S. 11 f.) Nach Horak wurde dieser Tanz erstmalig in einem vervielfältigten Heft, „Deutsche Volkstänze I“, in Siebenbürgen schon vor 1935 beschrieben. (Siehe K. Horak, Reinheit der Überlieferung, „Fröhlicher Kreis“, Graz, 18. Jg., 1967, Heft 2.) Einer Anregung Horaks folgend, hat der Verfasser als Leitmelodie nunmehr eine siebenbürgische Weise benützt, jedoch, um der Gepflogenheit seit Auftauchen dieses Tanzes in Österreich gerecht zu werden, die seit 1938 eingelebte Vorarlberger Melodie als 3. Weise im Musikteil belassen. (Herbert Lager, 1969)

Quelle

CD

MP3-Datei

Noten

Zur Musik

Karl Horak schreibt in „Der fröhliche Kreis“, 18. Jg., Heft 2, zur Aufzeichnung aus 1935: :„So hat sich der Herausgeber nicht die Mühe genommen, einheimischen Rheinländerweisen nachzuspüren und sie zu verwenden, sondern er schrieb aus anderen Heften ab und benützte also die Melodien aus Lingenau (Vorarlberg), die Raimund Zoder in seiner Dorfmusik, 1. Heft, veröffentlicht hat. Diese Weise ist auch in den Volkstanzblättern abgedruckt. Das ist schade, denn in Siebenbürgen kannte man eigene Weisen, wie meine Aufzeichnungen zeigen. Es wäre also angezeigt, bei der Pflege dieses Tanzes, der sich zunehmender Beliebtheit in den Tanzgruppen erfreut, auch die bodenständigen Melodien zu verwenden.“

Herbert Lager verwendet in Österreichische Tänze, Unsere Grundformen vier verschiedene Melodien, und zwar:

  1. Karl Horak, Deutsche Volkstänze 48/49, Deutsche Volkstänze aus dem Karpatenraum
  2. Karl Horak, Deutsche Volkstänze 48/49, Deutsche Volkstänze aus dem Karpatenraum
  3. Vorarlberger Weise aus Lingenau, Raimund Zoder, Dorfmusik 1, Kassel 1934
  4. Ing. Franz Kirnbauer, Volkstänze der Deutschen im Banate, unter "Stampfpolka" in "Das Deutsche Volkslied", 34. Jahrgang (1932), s. 55.

Videos

Bei einem Volkstanzkurs der Union Wien

Als Ehrung von Franz Fuchs (in rot)

Kindertanz

Siehe auch

In anderen Sprachen