Tresterer Tanz

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Tresterer Tanz & Brauch

Winter-Brauchtum aus Zell am See

Der Tanz der Pinzgauer Tresterer

Von Mario Herger

Atemlose Gestalten huschen entlang der Hauswand mit tief ins Gesicht gezogenen Hüten und hochgestellten Jackenkrägen. In den Händen tragen sie verdächtig aussehende glitzernde Gegenstände, unter den Jacken schimmern kostbare rotgoldene Stoffe. Schwere Schuhe knallen auf den Boden. Ihr Aussehen ist merkwürdig, ihr Verhalten verdachterweckend. Sind das die mutmaßlichen Juwelendiebe, die heute Morgen in der Wiener Innenstadt einen spektaktulären Raubüberfall durchgeführt haben und sich nun im Unterschlupf mit der Beute zusammenfinden?

Und wer sind die Personen mit Notizblock, Videokameras und der stattliche Mann mit der Pfeife im Mundwinkel? Ist das etwa schon der Polizeikommissar mit seinen Assistenten? „Kommissar“ Herbert Zotti in seiner Eigenschaft als Videoreferent der BAG, Susanne Schedtler vom Wiener Volksliedwerk, Hella Wald von der Feldforschung und Mario Herger als einfaches Mitglied fanden sich an diesem sonnigen Sonntag am 1. Februar 2004 vor dem Haus der Begegnung in Zell am See ein, um eine tänzerische Delikatesse auf Video zu bannen: die Tänze der Tresterer aus Zell am See. Und weil diese Tänze, eingebettet in einen sehr alten Brauch, eigentlich nur vom 5. Dezember bis zum 6. Jänner vorgeführt werden und außerhalb dieser Zeit strengstens verpönt sind, war eine gewisse Heimlichkeit unabdingbar. Wir hatten das Glück, dass uns Hermann Schmiderer, der eine wunderschöne und umfangreiche Website unter tresterer.com zu den Tresterern und dem Brauch führt, einen Aufnahmetermin organisierte. Leider war es uns kurzfristig nicht möglich, den Brauch in seinem Ausführungszeitraum zu erleben, aber das Aufnahmeteam hat sich einen abermaligen Besuch bei den Tresterern am 21. Dezember vorgenommen.

Wichtig war uns an diesem Tag vor allem die filmische Dokumentation der Tänze, die uns von 3 Tresterern, mit dem Vortresterer Peter Schwarz, den zwei Tänzern Peter Arnsteiner und Peter Fritzenwanker (der Vorname Peter ist natürlich kein Aufnahmekriterium bei den Tresterern) und dem Hanswurst Toni Pfeffer senior vorgeführt wurden. Auf seiner Schwegelpfeife begleitete Michael Mitter den Spieltanz, das mittlere G’satzl des dreiteiligen Tresterertanzes. So richteten wir unsere insgesamt 3 Videokameras im Vereinslokal des örtlichen Trachtenvereines auf die Tresterer.

Der Brauch

Alten Aufzeichnungen zufolge war das Trestern stets nur bis Dreikönig (dem alten Neujahrsbeginn) 1 oder […] an den Abenden zwischen Weihnachten und Dreikönigsfest [..] üblich (um diese Zeit ist im Pinzgau das Perchtenlaufen Tradition).2 Überlieferungen die berichten, dass es auch im Fasching stattfand, sind einzelne Ausuferungen, die jedoch mit dieser alten Tradition nichts zu tun haben.

Der Brauch wird (von den Zeller Tresterern) heutzutage jeweils an den 3 Donnerstagen vor Weihnachten, dem Thomastag am 21. Dezember in den Bauernhöfen um Zell und am 6. Jänner zu Dreikönig in der Innenstadt von Zell ausgeübt. An jedem dieser Tage zieht abends die gesamte Tresterer-Pass mit den Tresterern, den Begleitfiguren und den Musikanten in zumeist 3 Bauernhöfen ein. Der Besuch weiterer Plätze ist oft aus zeitlichen Gründen nicht möglich. Der Tanzteil kommt eingebettet im Brauch vor und es wird jeweils nur eine der drei Tanzvarianten pro Bauernhof gestampft. Heutzutage melden sich die ortsansässigen Familien bereits im Sommer bei den Tresterern an und bitten um den Besuch in ihren Stuben.

In der Tresterer Pass sind unterschiedliche Figuren vertreten, die in einer bestimmten Abfolge ihren „Auftritt“ haben. Zuerst gehen die „Schiachen“ (die „Häßlichen“) voran, die durch ihr Lärmen vor allem bei den Kindern Aufregung und ab und zu auch Furcht hervorrufen. Dann kommen Lapp und Lappin, Goasser und Habergoass, Zapfen- und Werchmandl, Krapfenschnapper, Hanswurst sowie die „Schönen“ (Tresterer Tänzer) und zum Schluß die Hühnerpercht. Jede Figur hat dabei ihre eigene Bedeutung. Die Hühnerpercht legt nach dem Tanz in der Mitte der Stube ein Ei auf den Boden, als Symbol für das immer neu entstehende Leben. Damit schließt sich der Kreis, da auch die Tresterer als Schönperchten Glück und Segen für die Familien sowie Fruchtbarkeit und reiche Ernte auf Feld und Flur verheissen und den nahenden Frühling ankündigen. Die Figuren werden in3 ausführlich in deren Bedeutung und mit Abbildungen unterstützt behandelt.

Die Tresterer selbst werden von den Bauersleuten gern gesehen und wurden früher mit Naturalien wie Speck, Kletzenbrot und Schnaps belohnt. Heutzutage werden sie mit einer großzügigen Jause bewirtet.

Die Geschichte

Die ersten schriftlichen Überlieferungen des Brauches gibt es laut Perchtenverbotsprotokollen um 1650, und zahlreiche Belege aus dem 18. Jahrhundert berichten uns, dass der Brauch früher im Pinzgau sehr verbreitet war. Getrestert wurde in Krimml, Neukirchen, Bramberg, Mittersill, Uttendorf, Piesendorf, und Saalfelden hatte sogar 2 Passen (die Dorfheimer Pass und die Ramseider Pass). In Unken ist der Brauch in einer etwas anderen Ausformung vorhanden, die dortigen Tresterer unterscheiden sich in erster Linie durch ihre Kleidung und Tanzausführung. Sie stehen sich beim Trestern in einer Reihe gegenüber, dazwischen legen sie am Boden ihre „Kuhsinger“ (Speisglocken) ab. Heute wird der Brauch nur mehr in Zell am See, in Unken und in Stuhlfelden ausgeübt. 1948 waren die Zeller Tresterer das letzte Mal unterwegs, dann ist der Brauch ausgestorben.

In den 1950er und später noch in den 1970er Jahren gab es vom örtlichen Trachtenverein den Versuch, den Brauch neu zu beleben. Es kam jedoch zu keiner Ausrückung, bis im Jahr 1983 Hermann Schmiderer die Initiative ergriff und gemeinsam mit Freunden vom Trachtenverein, von der Liedertafel und von den Krampusläufern das Trestern wieder neu belebte. 1984 konnten sich die Zeller Tresterer zum ersten Mal in der Öffentlichkeit zeigen und seither ist das Trestern wieder ein fester Bestandteil im Jahresablauf. Die momentane Zusammenstellung der Tresterer Tänzer – der „Schönen“ – umfasst 11 Personen, wobei zwischen 6 – 8 Tänzer bei einer Ausrückung dabei sind

Die Kostüme

Die Kostüme der Tresterer werden aus brokatähnlichem roten Stoff mit goldgestickten Mustern hergestellt. Die Hose ist dabei in Form einer über dem Knie endenden Lederhose geschnitten, selbst der Hosenlatz ist da, nur anstelle des Leders wie bei Lederhosen ist das Kostüm aus diesem brokatähnlichen Stoff gefertigt. Unter der, mit ebensolchem Stoff hergestellten, bis zur Taille reichenden und hochgeschlossenen Jacke tragen die Tänzer ein weißes Hemd. Um den Bauch binden sie einen federkielbestickten Ledergurt, den „Ranzen“. In den handgemachten und mit dem gleichen Muster wie die Hose und Jacke versehenen Schuhen, stecken die in weißen Schafwollschwendlingen (Stutzen ohne Fußteil) gekleideten Füße (der Tänzer). Die Schuhe haben Holzabsätze, die in früherer Zeit auch mit kräftigen Nägeln beschlagen waren, um die weiten Wege auf schnee- und eisbedecktem Untergrund zu bewältigen. Die kräftigen Knie der Tänzer konnte man nicht sehen, da sie darunter eine lange weiße Unterhose trugen. Um die unterhalb der Knie endenden Stutzen um die Waden herum waren rautenförmig rote Bänder gewickelt.

Die kostbaren Gewänder der Tresterer sind also vorwiegend in den alten Kultfarben rot (Abwehr) und weiß (Reinheit) gehalten. In der rechten Hand um den Finger gewickelt hielten die Tresterer ein seidenes Tuch, das als „Tresterertüchl“ oder „Schweißtüachl“ (Schweißtuch) bezeichnet wird und vermutlich eine ebensolche Bedeutung hatte. (An dieser Stelle sei ein Querverweis zu den Morristänzern aus England erlaubt, die bei manchen ihrer Tänze ebensolche Tücher und zwar jeweils eines in beiden Händen halten. Die Tücher sind meistens weiß und werden dort als „Hanky“ bezeichnet. Das Herumschwenken dieser während des Tanzes soll dabei die Frühlingsgeister anlocken.)

Hermann Schmiderer erwähnte, dass der Brokatstoff der Gewänder, gemäß den Volkskundlern, im Zuge des Samthandels aus Venedig nach Salzburg gekommen sein soll. Während aus Salzburg Salz und Gold nach Italien geliefert wurde, wurden im Gegenzug Glas, Stoffe und Wein mitgebracht. Damit würde sich auch erklären, warum diese, nicht aus dem Salzburgischen stammenden Stoffmuster bei den Kostümen Verwendung finden.

Aus dem Fundus des Zeller Trachtenvereins stammen die über 100 Jahre alten Mustergewänder, nach denen die neuen Kostüme und Kronen gefertigt wurden. Die Zeller Tresterer haben seit 1984 übrigens schon das 3. Gewand in Gebrauch.

Den vermutlich interessantesten Teil des Kostüms stellt die „Krone“ dar, die von jedem Tresterer in aufwendiger Arbeit selbst angefertigt wurde. Die halbkreisförmige und oben geschlossene Krone ist mit glitzernden und vorrangig gold-, silber- und rotfarbenen Steinen versehen, die verschiedene Muster wie z.B. Blumen darstellen. In die Krone eingebettet sind hinten und vorne Spiegel, während seitlich vor allem lange, nach oben stehende, weiße Hahnenfedern angebracht sind. Ungefähr 50 Stück sind dabei für jede Krone notwendig. An der Unterseite der Krone hängen lange, bis zur Hüfte der Tänzer reichende bunte Bänder. Diese dienen zur Vermummung und waren besonders in den Zeiten der Perchten- und Tanzverbote, von denen gerade das Brauchtum im erzbischöflichen Bistum Salzburg4 immer wieder betroffen war, rundherum aufgenäht, sodass das Gesicht vollständig verdeckt war und die Tresterer unerkannt blieben. Die heutigen Tresterer haben das Gesicht aber frei, obwohl man an den alten Kronen sehen konnte, dass auch an ihnen schon einmal Bänder an der Vorderseite angebracht waren bzw. Platz dafür vorgesehen ist. (Ähnliche, auf einen Kranz befestigte Bänder wurden übrigens im französischen Elsaß von den „Conscrits“, den zum siebenjährigen Militär- dienst einberufenen Burschen, getragen. Die Bänder dort wurden ihnen aber in den 7 Tagen und 7 Nächte dauernden Abschiedsfeiern von den Mädchen des Ortes überreicht, jedes Band symbolisiert dabei ein Mädchen, das auf den „Conscrit“ wartet.)

Die Tänze

Insgesamt gibt es drei Tänze, auch „Dreiergsatzln“ genannt, die jeweils aus einem Anfangsteil, einem Mittelteil mit Musikbegleitung durch die „Schwegler“, und einem Endteil bestehen. Im 1. „Dreiergsatzl“ werden der Vortanz „Brugger“ (nach einem Tresterer der Brugger geheissen hat), der Mittelteil oder Spieltanz „Niederkniespieltanz“ und der Aufhörer „Liesinger“ (nach einem Ortsteil bei Uttendorf) genannt. Eröffnet wird der Tanz im Beisein der Bauersfamilie in der Stube oder im Vorhaus des Bauernhofes, durch den mit einem Schellengurt um den Bauch, eine Narrenkappe am Kopf tragenden und in weiß gekleideten Hanswurst, der durch Aufsagen eines Spruches, durch anschließendes Ziehen eines Kreises auf den Boden und durch „Einschlagen des Kreuzes“ in diesem Kreis mit einer „Lederwurst“ den Platz für die Tresterer aufbereitet.

Auch in anderen Tanzformen, wie den Maschkeratänzen, Schwerttänzen aus dem süddeutschen und österreichischen Raum, Knappentänzen oder den Morristänzen aus England kommt einer Narrenfigur eine teils bedeutende Aufgabe zu, die oft in der „Vorbereitung“ des Tanzbodens, Leitung des Tanzes, Köpfung, Wiederbelebung und Hebung des Narrens und dem „Auskehren“ der Tänzer am Ende des Tanzes besteht.

Der Spruch des Hanswurst bei den Tresterern lautet:

„Griass Eich Gott, liabe Leit sad’s nur stad und passt’s auf, 
die Tresterer va Zell mochen ean Lauf.
Als Hanswurst muass i z’erscht a Kreiz nei’ schlog’n
dann kinnan die Tresterer ihren Tanz vurtrogn.
Doa tuats von Droad (= Getreide) austreten her kemma
und soid ins allen Glück und Segen bringa.
Lopp, Lappin, Zopfn- und Werchmandl
Hobergoassn, Kropfnschnapper, Hennerpeacht,
die Schiachen und a poar Musikanten
tan a mit uns umanaunda ziachn.
Und so winscht Eich die Tresterer Pass
fias neiche Joahr an Frieden, an Gsund und an Reim.“

Im Anschluss an Spruch, Kreisziehen und dem mit lautem Knall erfolgenden Kreuzeinschlagen kommt der Vortresterer durch die Tür herein und „hobelt“ einmal in der Stubenmitte im Kreis mit einem sogenannten „Hobler“, einem speziellen Tanzschritt, dem Hobeln gleich, der aus einer Abfolge von schnellen Stampfschritten besteht. Dabei wird mit dem linken Fuß ein Schritt gestampft und mit dem rechten Fuß in schneller Abfolge zuerst auf die Ferse und dann die Spitze gestampft. Das ganze passiert rasch abwechselnd. Ist der Kreis vollzogen, hebt der Vortresterer das Schweißtuch über seinen Kopf und gibt damit den anderen Tresterern das Signal, ihm zu folgen. Diese kommen durch die Türe herein, folgen dem Vortresterer und bilden gemeinsam einen Kreis. Nach einer Verbeugung in die Kreismitte beginnt ohne Musik eine komplexe Abfolge an Stampfschritten, Drehungen, Paschen, Klatschen auf die Knie und Schuhsohlen, seitlichen Sprüngen, gekreuzten Schritten, Zusammenschlagen der Hacken und Hineinknien in den Kreis. Diese Elemente kommen in allen 3 Teilen des Tanzes vor.

Der Mittelteil wird vom Vortresterer durch Heben des rechten Arms mit dem Schweißtuch und durch Ausstoßen eines kurzen gekreischten Schreies eröffnet. Da dieser Teil durch die Schwegler begleitet wird, wird er auch als „Spieltanz“ bezeichnet. Der Endteil (der Aufhörer) ist wiederum ohne Musik und endet mit dem Hinauslaufen der Tänzer aus der Stube, gefolgt vom Hanswurst. Insgesamt sahen wir 2 vollständige Dreiergsatzln, von einem dritten Gsatzl konnte nur der Mittelteil vorgeführt werden, der sich von den beiden anderen vor allem durch eine wiederkehrende Figur unterschied, bei der die Tänzer leicht in die Knie gehend Schwung nehmen und dann hochspringen, die Beine anwinkeln und mit beiden Händen nach hinten auf die Schuhsohlen klatschen. allen drei Mittelteilen ist das „in den Kreis reinknien“ gleich. Weiters war der 3. Teil des zweiten Dreiergsatzl doppelt so lang wie im ersten Dreiergsatzl.

In einer aus dem Jahr 1939 stammenden 16mm Filmaufnahme mit dem damals 64-jährigen Uttendorfer Tresterer Matthias Eder, die von Herbert Lager, Ilka Peter und Walter Göbel gemacht wurde, wird der Tanz durch das „Eintrestern“ des Vortänzers eröffnet. Der Schritt ist dem der Zeller gleich und wird ebenfalls als „Hobeln“ bezeichnet. Nach diesem „Solotresterer“ kommt dann eine Schrittfolge, die sich „Kurzerhacker“, „Langerhacker“ und „Doppelhacker“ bezeichnet, gefolgt vom „Schleichen“, „Schürfen“, „Zuastellen“, „Hobeln mit Zuaschlag“, „Hackerischer Stosser“, „Niedersillern“ und „Trotterer“. Etliche dieser Elemente sind auch bei den Tänzen der Tresterer aus Zell zu erkennen.

Normalerweise werden die Tresterer von mehreren Schwegelpfeifern zumindest zweistimmig begleitet, wobei die Zusammensetzung der Musik auch variieren kann; die Begleitung durch eine Geige oder Trommel ist den Tänzern nicht unbekannt und kann für eine teilweise andere Stimmung sorgen. Wenn die Tresterer nicht schon vorher atemlos und verschwitzt waren, nach den Tänzen waren sie es bestimmt. Aber ein zwischendurch gegönntes Schnapserl verhalf ihnen zu neuer Dynamik. Genauso heimlich, wie die Tresterer in das Haus der Begegnung schlichen, so verschwanden sie auch wieder, um ein Aufsehen zu vermeiden. Die „Beute“ aus diesem Besuch aber liegt in Form von Videos bei der BAG und kann auch direkt unten über das Internet angesehen werden. Unter den Aufnahmen befinden sich alle 3 erwähnten Dreiergsatzln, sowie ein zehnminütiges Video mit einer Erläuterung zum Brauch der Tresterer von Hermann Schmiderer.

Dank

Mein Dank gilt an dieser Stelle vor allem den Tresterern für die Verfügbarkeit zum Aufnahmetermin, Hermann Schmiderer für die Organisation und das Korrekturlesen, ebenso Hella Wald für das Korrekturlesen sowie der Hilfe bei Literatur- und Filmsuche und dem weiteren Aufnahmeteam mit Susanne Schedtler und Herbert Zotti.

Beschreibung Wolfram

Richard Wolfram hat hat den Tanz erlernt und in der "Wiener Zeitschrift für Volkskunde" 1936 eine Beschreibung veröffentlicht, unter dem Titel "Der Pinzgauer Tresterertanz (mit zwei Notenbeispielen)". Dieser Artikel besteht auch aus der damaligen Zeit entsprechend ziemlich schwülstigen Gedanken über die Herkunft des Tanzbrauches, er ist aber trotzdem ziemlich lesenswert.

Die "Wiener Zeitschrift für Volkskunde" 1936 ist als PDF im Internet zu finden und auch downloadbar. Der Artikel steht von Seite 1 bis 15.

Pinzgauer Tresterertanz, Immaterielles Kulturerbe in Österreich

Beim Pinzgauer Tresterertanz handelt es sich um eine regionale Sonderform des Schönperchtenlaufens. Der Rundtanz mit Hüpf- und Stampfschritten in typischen Kostümen wird jährlich am 5. Jänner, dem Perchtenabend vor Dreikönig, bei einbrechender Dunkelheit als Umlaufbrauch von Haus zu Haus, in den Bauernhöfen der Umgebung der Stadt Salzburg, aufgeführt. Der Besuch der Tänzer und Musiker ist eine Auszeichnung und erfolgt unangekündigt. Der Vortänzer informiert die Hausleute zunächst über den Brauch, indem er im typischen Tanzschritt einen Achter läuft. Der Tresterertanz besteht aus zwei Tanzteilen – einem Tanzteil ohne und einem mit Musik. Die Menschen verbinden mit den Tresterern ein gutes Omen für das neue Jahr und bedanken sich mit einer Gabe.

Die genaue Herkunft des Pinzgauer Tresterertanzes ist nicht bekannt. Das Wort „trestern“ (stampfen, einmaischen) geht zurück auf die Praxis des Austretens der Maischens (Austreten der Trauben) und verweist auf den Südrand der Alpen, wo über den Krimmler Tauern ins Südtiroler Ahrntal und schließlich nach Venedig und Genua eine große Fernhandelsroute verlief. Entlang dieser entstanden bis ins 18. Jahrhundert Zentren des Kulturaustausches. Um 1909/10 wurde der Tresterertanz in Krimml vom „Touristen-Geselligkeits-Club Alpinia“ entdeckt und 1912 zum ersten Mal aufgeführt.

Die Rundtänze mit Lauf- und Stampfschritten stellen eine Weiterentwicklung von Tänzen des Mittelalters und der Renaissance dar und beinhalten Teile ihres Figuren- und Kostümrepertoires. Die begleitenden Kostüme, welche sich aus Kopfschmuck und Brokatanzügen zusammensetzen, gehen auf venezianische Maskenaufzüge zurück.

Die Tradition des Tresterertanzes wird von dem Verein "Alpinia Tresterer Salzburg“ getragen und bewahrt.Der Tresterertanz wird am 5. Jänner abends in den Bauernhöfen der Umgebung der Stadt Salzburg aufgeführt. Ihr Besuch ist überraschend, der Vortänzer informiert die HausbesitzerInnen über den Brauch, indem er im typischen Tanzschritt einen Achter läuft. Der Tresterertanz besteht aus zwei Tanzteilen ohne und einem Tanzteil mit musikalischer Begleitung. Die Menschen verbinden mit den Tresterern ein gutes Omen für das neue Jahr und bedanken sich mit einer Gabe.

Der traditionelle, mündlich überlieferte Tanzschritt wurde von Richard Wolfram um 1942 im Wiener Phonogrammarchiv mit einem Pinzgauer Tänzer aufgezeichnet.

(Österreichische Unesco-Kommission)

Quellen

Video

Zell am See

1. Gsatzl

2. Gsatzl

3. Gsatzl, Spieltanz

Tanz der Tresterer im Pinzgau, Salzburg. Historische Aufnahme aus dem AEIOU - Österreich-Lexikon.