Hermann Lein

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Hermann Lein (* 24. August 1920 in Wien; † 14. Februar 2006 ebenda) war ein österreichischer katholischer Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus, Zeitzeuge der NS-Verbrechen, Lehrer und Autor. Er war „Innitzer-Gardist“.

Leben

Hermann Lein trat 1934 einer katholischen Jugendgruppe des „Bund Neuland“ bei. Hier lernte er auch seine Frau, eine sog. Halbjüdin, kennen, die er nach Kriegsende 1945 heiratete. Er war in der Zeit des Nationalsozialismus im Widerstand gegen das NS-Regime in Wien aktiv.

Am 7. Oktober 1938 nahm er an der so genannten Rosenkranz-Demonstration teil, zu welcher der Erzbischof von Wien Theodor Kardinal Innitzer aufgerufen hatte. Nach der Rosenkranzfeier wurde Hermann Lein wie auch Ferdinand Habel, Josef Kaspar, Hans Eis und Franz Ranftl der Schutzhaftbefehl zugestellt, er wurde unmittelbar danach von der Gestapo wegen „Volksaufwiegelung“ verhaftet. Zunächst wurde er am 10. Dezember 1938 ins KZ Dachau deportiert, ab September 1939 in das KZ Mauthausen. Nach 19 Monaten wurde er am 23. April 1940 entlassen.

Lein war von 1941 bis 1944 als Sanitäter bei der Wehrmacht, u.a. in Krakau.

Nach dem Krieg

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges studierte Hermann Lein Geschichte und Deutsch. Er war zuerst als Lehrer tätig. Später wurde er Sektionschef im Bundesministerium für Unterricht und Kunst.

Lein war als begeisterter Volkstänzer im Jahr 1956 Initiator und Gründungsmitglied der Bundesarbeitsgemeinschaft Österreichischer Volkstanz.

Seit 1945 war Lein Mitglied der ÖVP. Im Jahr 2000 trat er aus der ÖVP aus, weil diese eine Koalition mit der FPÖ eingegangen war.

Dr. Hermann Lein war langjähriger Vorsitzender der Lagergemeinschaft Dachau und der Österreichischen Lagergemeinschaft Mauthausen. Er war Mitglied des Österreichischen Schriftstellerverbands. 2001 wurde Lein die Kulturmedaille der Stadt Linz für „besonderes Engagement als Zeitzeuge der NS-Verbrechen“ verliehen.

Werke

  • Wilhelm Gross, Hermann Lein, Hermann Schnell: „Wir schweigen nicht“, Österr. Bundesverlag 1965
  • Franz Kreuzer, Hermann Lein: „Ein Leben für Österreich, Franz Jonas“, Verlag für Jugend und Volk 1969
  • Hermann Lein: „Als Innitzer-Gardist in den KZs Dachau und Mauthausen - Ein Rückblick zum 50. Jahrestag“, Herder Freiburg 1989,
  • Hermann Lein, Michael Lemberger, Werner Routil, Gerhard Suchy: „Zeitzeugen im Gespräch - Dr. Hermann Lein“ (Hörbuch), GS-Multimedia Verlag 2005,

Nachruf im Fröhlichen Kreis

Hermann Lein verstorben

Am 1. Februar 2006 ist Sektionschef i.R. Dr. Hermann Lein im 86. Lebensjahr verstorben. Mit ihm verloren wir einen der „dienstältesten“ Volkstänzer überhaupt. Er war schon vor dem II. Weltkrieg im Rahmen der Neulandbewegung mit dem Volkstanzen in Kontakt gekommen. Während des Krieges war er als katholischer Aktivist längere Zeit in Haft. Diese Erlebnisse, die ihn für den Rest seines Lebens prägten, verarbeitete er in seinem Buch „Als Innitzergardist in den Konzentrationslagern Dachau und Mauthausen“, Wien 1988.

Gleich nach Kriegsende war er einer der ersten, die in Wien wieder eine Volkstanzbewegung auf die Beine stellten. Zusammen mit Fritz Heftner, Franz Hurdes und Leo Luza trug er wesentlich dazu bei, dass in Wien bereits ab 1946 Kathreintänze veranstaltet wurden und es ab 1950 zu einer zunächst losen Arbeitsgemeinschaft der Volkstanzgruppen kam – die erste Gruppierung dieser Art in Österreich. Im „Fröhlichen Kreis“ 3/1975 und 4/1986 wurde darüber berichtet.

1956 nahm er an der legendären „Lienzer Konferenz“ teil, bei der die Gründung der Bundesarbeitsgemeinschaft Österreichischer Volkstanz beschlossen wurde. Die tatsächliche vereinsrechtliche Gründung erfolgte nach vielen Vorarbeiten erst 1960 und Hermann Lein war die ersten zehn Jahre hindurch ihr erster Kassier.

Über seine vielen verschiedenen Aktivitäten im Volkstanzwesen wissen seine alten Weggefährten besser Bescheid. Einer von ihnen, Fritz Heftner senior, hatte anlässlich seines Todes vorsichtshalber eine kleine Ansprache vorbereitet, die aber nicht zum Einsatz kam, weil im Zuge der – auch von zahlreichen Volkstänzern besuchten – Begräbnisfeierlichkeiten am 14. Februar 2006 außer den sehr berührenden Worten des Geistlichen keinerlei Ansprachen vorgesehen waren. Unseren Lesern wollen wir sie aber nicht vorenthalten:

Liebe Trude,

werte Familie, Freunde und Bekannte!

Dr. Hermann Lein hat nicht nur in seinem Beruf (Schule, Ministerium und weiteren Verpflichtungen) gewirkt, sondern sehr viel Zeit dem österreichischen Brauchtum, hier besonders dem überlieferten alpenländischen Tanz, gewidmet.

Als ich ihn nach dem Ende des II. Weltkriegs kennen lernte, in der Nähe seiner Wohnung im 8. Bezirk, Bennoplatz 1a, war Hermann gesundheitlich etwas angeschlagen. Er schmiedete aber bald Pläne, wie man den verschiedenen Tanzkreisen, die es zu dieser Zeit in Wien schon gab, eine bessere Vertretung gegenüber den diversen Behörden verschaffen könnte. So kam es im Februar 1950 zu einem Einladungsschreiben an alle seinerzeitigen Tanzleiter zu einer Aussprache in die Bezirkshauptmannschaft Mariahilf, in der eine freie Arbeitsgemeinschaft vorgeschlagen und tatsächlich auch beschlossen wurde. Man kann Dr. Hermann Lein daher als Gründer der Arbeitsgemeinschaft der Wiener Volkstanzgruppen bezeichnen. 10 Jahre später war Hermann auch Geburtshelfer bei der ins Leben gerufenen Bundesarbeitsgemeinschaft Österreichischer Volkstanz. 1992 verlieh ihm die Wiener ARGE die Ehrenmitgliedschaft.

Wir wollen uns heute verbeugen und herzlichen Dank sagen vor einer Persönlichkeit, die ganz Wichtiges für den alpenländischen Tanz geleistet hat.

Der Heilige Augustinus sagte: „O Mensch, lerne tanzen, sonst wissen die Engel im Himmel nichts mit dir anzufangen."

Mit Dir, lieber Hermann, werden sie sicher viel Freude haben.

Quelle