Spielweise von Zwiefachen

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Verfasst von Franz Fuchs ca 1988.

Ich lernte die Zwiefachen bei Wintertanzwochen in Kasern im Südtiroler Ahrntal in den Jahren 1979 bis 1988 tanzen und lieben. Ich kannte sie ja schon vorher, hatte sie 1961 in Wels bei Hermann Derschmidt getanzt und eher erfolglos versucht, die Welser Spielweise auch in Wien einzuführen.

In Kasern lernte ich Alois Beer kennen, Musikprofessor in Neuötting in Bayern. Er erzählte, dass er in seiner Jugend in der Oberpfalz, an der Grenze zum heute tschechischen Egerland, jahrelang bei einer Tanzkapelle gespielt hatte. Er begann schon mit 14 Jahren (ca. 1946) mit dem Klavier mitzuspielen. Die übrige Besetzung war Trompete, Saxophon, Akkordeon, Schlagzeug, Bassgeige bzw. Posaune. Gespielt wurden damals alle bekannten Schlager und Gassenhauer, aber auch Walzer, Polkas, Schottische (= Schnellpolka), Landler, die Münchner Francaise, und Bairische, so heißen die Zwiefachen in der Oberpfalz. Diese Bairischen waren die beliebtesten Tänze, wurden oft stundenlang gespielt, etwa das Eisenkeilnest und andere bekannte Zwiefache. Etwa jeder dritte Tanz musste damals ein Zwiefacher sein.

Beer erzählte etwa, das sogar in unseren Schulliederbüchern stehende Zwiefachen-Lied Leitl, miaßts lusti sein Leutl, müasst lusti sein war damals auch beliebt. Es wurde um 1933 in der Oberpfalz geschaffen. Eine Gruppe um Hias Kriegner brauchte ein wirkungsvolles Lied, um damit bei einem Volksmusikwettbewerb aufzutreten. die Gruppe bekam dann auch einen ersten Preis für die Interpretation dieses "überlieferten Oberpfälzer Bairisch". Erst Jahre später haben sie erzählt, dass sie Text und Melodie damals selbst geschrieben haben.

Alois Beer sagte, die Bairischen (Zwiefachen) wurden damals anders gespielt, als sie heute bei Volkstänzern üblicherweise gespielt werden:

  • Die Zwei-Viertel-Takte (Dreher) wurden etwas akzentuiert und schärfer betont und ein kleinwenig schneller gespielt, beschleunigt. Etwa MM = 184 für eine Viertelnote.
  • Die Drei-Viertel-Takte (Walzer) wurden dagegen weicher gespielt, vielleicht auch etwas leiser und eine Spur langsamer. Etwa MM = 176 für eine Viertelnote.

Durch diese Spielweise konnten die Tänzer auch ihnen unbekannte Zwiefache sofort mittanzen.

Diese Spielart hat Beer damals (ab 1946) unbewusst übernommen. Erst viel später fiel ihm auf, dass bei vielen Volkstanzmusikanten diese Betonung nicht üblich ist. Viele Musikanten, besonders aus dem Wiener Raum, bemühen sich oft sogar, alle Unterschiede der beiden Taktarten zu verwischen. Nach so einer Musik kann man wirklich erst tanzen, wenn man den Rhythmus bereits auswendig gelernt hat. Ich meine, das ist der Hauptgrund, warum Zwiefache im Wiener Raum eher unbeliebt sind.

Meine Midi-Dateien

Bei meinen Neu-Veröffentlichungen von Zwiefachen habe ich diese Tempo-Unterschiede auch bei den Midi-Dateien berücksichtigt. Ich schreibe jetzt die Dreherteile mit MM = 184, die Walzerteile mit MM = 176. Leider kann ich das aus Zeitgründen nicht so schnell bei den vorher bereits veröffentlichten Zwiefachen durchführen.

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