Volkstanz im Internet 23

Aus Dancilla Wiki
Wechseln zu:Navigation, Suche

April 2020

Heute schreibe ich über die Balleinlage.

Bei Bällen wird oft eine Einlage durch eine Volkstanzgruppe gewünscht, sei es zur Abwechslung, sei es, um der Musik eine Pause zu gewähren. Ich nenne diese Vorführung „Mitternachts-Einlage“, auch wenn sie nicht immer um Mitternacht stattfindet.

Natürlich versucht jede Gruppe, sich bei dieser Vorführung von ihrer besten Seite zu zeigen, viele machen es auch, um neue Gruppenmitglieder werben zu können.

Eine Vorführung durch meine Klosterneuburger Volkstanzgruppe sehen Sie im Internet, auf „YouTube Auftritt der Volkstanzgruppe Klosterneuburg“. So oder so ähnlich laufen sie üblicherweise ab. Rundum sitzen die staunenden oder mampfenden Ballgäste.

Wie es bei uns üblich ist, tanzten wir anschließend etwa 40 Minuten mit den durchwegs begeisterten übrigen Ballgästen einige ausgewählte Volkstänze. Und darüber möchte ich nun berichten:

Publikumstanz oder „Wie bringt man Zuschauer zum Tanzen?“

Ich hatte mein ganzes Tänzerleben gelernt, es gäbe Tänze, die dazu geeignet sind, etwa Lawinenwalzer, Heiratslawinenwalzer oder Tanzkette: Ein Vortanz-Paar in Tracht beginnt, alle Ballgäste werden aufgefordert, sich anzuhängen. Oder diverse Wechseltänze, wobei die Tanzenden gebeten werden, sich in Musikpausen jemand aus dem Publikum zu holen. Oft werden die Tänzer und Tänzerinnen aus der Vorführung aufgefordert, sich jemand aus dem Publikum zu suchen, womöglich mehrmals im Tanz den Partner zu wechseln.

Viel Erfolg hatten wir mit diesen und ähnlichen Spielchen nicht, kaum jemand war bereit, mitzutanzen. Und vor allem unsere eigenen Tänzerinnen hatten keine Freude, wildfremde Männer zum Tanz aufzufordern.

Allerdings, wenn der Tanzleiter mit wenigen Worten verspricht, Mittanzen würde lustig werden, und wenn er jeden Tanz kurz erklärt, ohne ins Detail zu gehen, sind auch ohne derartige Spielchen überraschend viele Ballgäste spontan bereit, mitzumachen – allerdings eher die Damen. Die Herren Ballgäste brauchen viel Überredung, sich von ihrem wohlverdienten Bier zu trennen.

Was tanzt man mit den Leuten?

Vor Jahren suchte ich dazu die einfachsten Tänze aus, die mir einfielen, um es den neuen Tänzern leicht zu machen: Bauernmadl, Jägermarsch, usw. Davon bin ich abgekommen. Die Ballgäste wollen etwas Lustiges erleben, aber mit dem eigenen Partner, nicht mit irgendwelchen wildfremden Leuten. Die üblichen Wechseltänze sind daher eher kontraproduktiv. Aber es sind auch etwas kompliziertere Tänze möglich, vor allem, wenn man lustbetont tanzt, nicht zu sehr ins Detail geht und unvermeidliche Fehler lachend übergeht.

Bei der letzten Mitternachts-Einlage hatte unser Tanzleiter Robert eine blendende Idee:

1. Er begann mit einem „Solotanz“, jeder tanzt für sich: Beim Traisentaler Schottisch (Rheinländer aus dem Traisental) hängte sich jeder an einen beliebigen Vordermann (oder Vorderfrau) an, in einer langen Reihe ging es in Schlangenlinien durch den Saal. Natürlich entstand dabei ein Damen-Überschuss.

2. Dann kam ein Tanz zu zweit, Ladies to the Center, etwa Jingle Bells im Kreis, aber ohne Kette mit Partnerwechsel. Dazu konnte (sollte) man einen beliebigen Partner suchen, auch unter den Sitzenden. Dabei entstanden nur wenige Damenpaare.

3. Nun folgte ein Dreiertanz, die Masolka zu dritt. Jedes Paar suchte noch einen dritten dazu, ob unter den Sitzenden oder aus anderen Paaren, war nicht vorgegeben.

4. Und dann kam ein Tanz zu viert, der Vierer-Schottisch. Noch eine vierte Person wurde dazu von den Tanzenden gesucht. Und nun waren es praktisch ausschließlich gemischtgeschlechtliche Paare, obwohl das gar nicht gefordert war. Fast alle Männer tanzten nun ebenfalls mit.

Die Tanzfläche war für die nächsten Tänze voll, sitzen blieben eigentlich nur sehr wenige Antitänzer und der Herr Pfarrer. Und alle Mittänzer waren begeistert. Wir sind bereits für das nächste Jahr fix engagiert.

Ich freue mich über Rückmeldungen, vor allem über Anregungen.

Franz Fuchs

Weitere Seiten